|
|
|
 |

Land und Leute
|
Informatives
- Kultur und Menschen |
|
 |
|
 |
|
|
|
|
|
 |

|
Geschichte
Entdeckt wurden die Inseln 1460 von portugiesischen Seefahrern. Sie wurden dem
Portugiesen Dom Fernando zuerkannt und somit zur ersten europäischen Kolonie
in Übersee. Im selben Jahr wurde die Cidade da Ribeira Grande auf Santiago als erste europäische Stadt in den Tropen gegründet.
Die ersten Siedler kamen 1461. Ribeira Grande entwickelte sich zur florierenden
Hafenstadt. Sklaven aus den heutigen Ländern Guinea-Bissau und Sierra Leone
wurden zum wichtigsten Handelsgut und Portugal wurde schnell zu einem der
reichsten Länder der damaligen Welt.
Der Reichtum verringerte sich jedoch als Spanien die Herrschaft über die
Kapverdischen Inseln übernahm (1580 – 1640). Durch ständige Überfälle
von französischen und englischen Piraten sowie durch verheerende Hungersnöte
verschlimmerte sich die Situation zusätzlich. Erst ab 1798, als ein regelmäßiger
Postverkehr mit Portugal eingerichtet und Kaffeeanbau betrieben wurde, gab es
wieder eine Periode des Aufstiegs. Anfang des 19. Jahrhunderts jedoch wurde die Kolonie wegen Napoleons Invasionen in Portugal wieder vernachlässigt.
Der Hafen von Mindelo auf São Vicente entwickelte sich ab 1850 zu einem der führenden Häfen zwischen den Kontinenten, verlor jedoch schon bald wieder an Bedeutung, da Häfen wie Dakar und Las Palmas modernere technische Anlagen bieten konnten. |
|
| |
|
|
|
 |
|
Der
Hafen von Mindelo auf Sao Vicente entwickelte
sich ab 1850 zu einem der führenden
Häfen zwischen den Kontinenten, verlor
jedoch schon bald wieder an Bedeutung, da
Häfen wie Dakar und Las Palmas modernere
technische Anlagen bieten konnten. Wieder
gab es Hunger- und Dürrekatastrophen;
gleichzeitig vernachlässigte Portugal
die Kolonie, aus der kein Profit mehr zu
schlagen war.
Wegen ökonomischen und sozialen Missständen kam es in den 60er Jahren
des letzten Jahrhunderts zu Aufständen der Bevölkerung gegen das Kolonialregime.
Die 1956 gegründete PAIGCV, die Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit
Guinea-Bissaus und der Kapverden, trat für eine Befreiung vom portugiesischen
Kolonialismus ein. |
|
| |
|
|
|
 |
|
Nach
dem Zusammenbruch der Diktatur in Portugal
1974, der die Unabhängigkeit für
Guinea-Bissau brachte, trat die PAIGCV auch
auf den Kapverden mehr in die Öffentlichkeit.
Auf den immer stärker werdenden Druck
hin wurden schließlich auch die Kapverden
1975 ein unabhängiges Land.
Von 1975 bis 1990 regierte die Einheitspartei PAICV, die Unruhen in der Bevölkerung
unterdrückte und teilweise sogar politische Haft und Folter anwandte. Trotzdem
konnten Hilfeleistungen aus den wohlhabenden Staaten der „westlichen Welt“ bezogen
werden - aufgrund einer neutralen Außenpolitik.
1990 musste die Partei aber wegen Drucks seitens der USA und anderer Geberländer
der Demokratisierung des Landes zustimmen.
Die MPD (Movimento para Democracia) wurde gegründet und kam bei den ersten Wahlen im Januar 1991 an die Macht und regierte zehn Jahre lang. Die inzwischen neu organisierte PAICV gewann die Wahlen 2001 und 2006 und stellt seitdem mit Pedro Pires den Ministerpräsidenten. Sozialpolitisch zeichnet sich das Land heute durch seine Stabilität, Sicherheit und seinen sozialen Frieden aus. Seit 1975 haben Regierung und Bevölkerung eine beachtliche Entwicklung in fast allen Bereichen des täglichen Lebens (Gesundheit, Bildung, etc.) erzielt. |
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
Zeitverschiebung und Klima
Der Zeitunterschied gegenüber Mitteleuropa beträgt zur europäischen
Sommerzeit minus 3 Stunden, zur europäischen Winterzeit minus 2 Stunden.
Wenn es im Winter in Deutschland 12 Uhr mittags ist, ist es auf den Kapverden
erst 10 Uhr.
Das ganze Jahr über herrscht ein warmes, trockenes Klima mit nur seltenen
Regenfällen. Die Niederschlagsmenge ist allerdings von Insel zu Insel
sowie von Inselteil zu Inselteil sehr unterschiedlich.
Die Lufttemperaturen liegen das ganze Jahr zwischen ca. 25 und 30°C, die
Wassertemperaturen schwanken zwischen 20°C im Winter und 25°C im Sommer. |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Vegetation & Tierwelt Flora
Aufgrund des für Pflanzen ungünstigen
Klimas (die Regenzeit bleibt oft jahrelang
aus) gibt es auf den Inseln nur ca. 250
Pflanzenarten und keine geschlossene
Walddecke. Mit den, durch die Siedler
eingeschleppten, angepflanzten Arten
ist die Anzahl auf ca. 850 gestiegen.
Etwa 90 sogenannte endemische Arten kommen
weltweit nur auf den Kapverden vor.
Mit Ausnahme der Küsten- und Steilwandvegetation
sind wegen Brennholzgewinnung, Ziegenbeweidung
und Landwirtschaft heute oft nur noch
Reste der natürlichen Vegetation
vorhanden, da sie keine Zeit hatte, sich
wieder zu regenerieren.
Fauna
Auch die Tierwelt auf den Kapverden ist
vergleichsweise artenarm. Alle Säugetierarten
- bis auf die Fledermaus - sind vom
Menschen eingeschleppt worden.
Die vorherrschende Fauna auf den Inseln
besteht aus kleinen Reptilienarten, wie
z.B. Geckos und Skinken, vielen verschiedenen
Insekten und zahlreichen Käfer-
und Spinnenarten. Einige Meeresschildkrötenarten
legen an Land ihre Eier ab. In den Meeren
um die Inseln leben verschiedene Tintenfische
und Langustenarten, die zum Verzehr gefangen
werden. Außerdem gibt es eine interessante
Muschel- und Schneckenfauna. Hervorzuheben
sind auch einige endemische Vogelarten,
wie z.B. die Razo-Lerche.
Vorteilhaft für Menschen ist das
Fehlen jeglicher gefährlicher Tiere,
wie Giftschlangen oder Skorpione.
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Wirtschaft
Cabo Verde ist ein Entwicklungsland mit stark negativer Handelsbilanz:
Insgesamt übersteigt der Import den Export etwa um das 10-fache.
Das Bilanzdefizit wird durch internationale Hilfeleistungen ausgeglichen.
Gründe hierfür sind folgende:
Noch nie konnten genug Nahrungsmittel produziert werden, um die Bevölkerung
ausreichend zu ernähren, denn nur ein Viertel des Bodens kann
landwirtschaftlich genutzt werden. Die anhaltenden Dürreperioden
verschlimmerten die Situation, so dass 90-95% aller Nahrungsmittel
eingeführt werden müssen.
Ein weiteres großes Problem stellt die Stromversorgung dar. Da
Cabo Verde über keine Energierohstoffe wie Kohle oder Erdgas verfügt,
muss Erdöl teuer importiert werden. Deshalb sind auch heute noch
die ländlichen Gebiete meist ohne Stromversorgung.
Ca. ein Drittel der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft.
Rund 30% sind im Handel beschäftigt, 25% im Dienstleistungssektor.
In der Industrie sind nur 5% der Arbeitskräfte tätig, in
der Fischerei nur 4%. Etwa 45% der Bevölkerung ist arbeitslos
und lebt unterhalb der offiziellen Armutsgrenze.
Als touristisches Ziel sind die Kapverden noch relativ unbekannt; es
gibt noch keinen Massentourismus. Dieser Bereich könnte in Zukunft
jedoch an Bedeutung gewinnen.
Die Einnahmen des Staatshaushalts kommen vor allem aus Devisenzahlungen
der Emigranten und den Einnahmen des Flughafens Sal und des Hafens
Porto Grande. Exportiert werden hauptsächlich Frischfisch, Langusten,
Bananen und Thunfischkonserven. Zu den Hauptabnehmerländern zählen
u.a. Portugal, Italien, Deutschland und die USA.
Hilfsgelder werden leider zum großen Teil in kostspielige technische
Projekte investiert anstatt in den Ausbau der Infrastruktur. Inzwischen
ist allerdings eine Regelung getroffen worden, die die Planung und
Durchführung von Projekten vereinfachen soll: dabei werden die
Verantwortlichkeiten für einzelne Projekte direkt den Geberländern
zugeordnet. So übernahm Deutschland z.B. die Durchführung
von Entwicklungsprojekten auf den Inseln Fogo und Brava.
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Gesellschaft und Familie
Immer noch ist
auf den Kapverden die Familie der
Mittelpunkt, vor allem auf dem Land
herrschen noch überwiegend traditionelle
Familien- und Sozialstrukturen vor.
Hier kann man beobachten, dass oft
alle Dorfbewohner
eine große Gemeinschaft bilden. Großfamilien leben gemeinsam mit mehreren Generationen unter einem Dach und der Kinderreichtum ist groß. Kinder sind Teil der Gemeinschaft und werden von allen
Dorfbewohnern beschützt. Schon im jungen Alter fangen sie an im
Haushalt mitzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Die Form der Kernfamilie und Ehen, wie wir sie kennen, gibt es auf den Kapverden infolge der enormen Mobilität der Kapverdeaner allerdings selten. Vor allem Männer emigrierten und emigrieren auf andere Inseln oder ins Ausland. Die
Ehe ist sehr selten. Vor allem Männer emigrierten und emigrieren
auf andere Inseln oder ins Ausland. Infolgedessen gibt es auf den Inseln
viel mehr Frauen und Kinder als Männer. Wegen dieses Frauenüberschusses
ist es normal, wenn ein Mann neben seiner Frau noch eine oder mehrere
Freundinnen hat. Die zurückbleibenden Frauen erhalten gleichzeitig
einen wichtigen Status, sie erhalten die Familie und sorgen für
sie und sich selbst. Mittelpunkt der Familie ist die Mutter, die für
Ernährung und Erziehung sorgt; der Vater hat wenig Bedeutung.
Häufig wendet sich die zurückgebliebene Frau einem neuen
Mann zu, der dann wieder „weiterzieht“ - nicht selten hat
eine Frau auf den Kapverden 4 Kinder von 4 verschiedenen Vätern.
Eine alte Frau hat immer eine Familie um sich, die sie umsorgt. Alte Männer dagegen erfahren bei ihren Nachkommen oft wenig Respekt – schließlich traten sie ja nie in der Vaterrolle auf. Immer mehr Männer in den 40ern suchen deshalb inzwischen die Sicherheit im Alter durch ein „Sesshaft-Werden“ in der Familie.
Natürlich gibt es auch auf den Kapverden Paare die zusammenbleiben und bei denen der Vater eine respektierte Rolle in seiner Familie hat.
In den Städten gelten modernere Alltagsstrukturen: Es dominiert
die Kleinfamilie und oft sind beide Elternteile berufstätig.
In den letzten Jahren sind Geburtenrate und Kindersterblichkeit durch
die Familienpolitik auf den Inseln stetig gesunken. Auch emigrieren
heute immer mehr Frauen.
Positiv ist, dass Behinderte auf den Inseln bewusst nicht ausgegrenzt sondern in die Gesellschaft integriert werden. Deshalb
sieht es für Touristen oft so aus, als gebe es auf den Kapverden überdurchschnittliche
viele Behinderte.
Auch sonst gibt es keine Art von Diskriminierung, sei es eine kirchliche
oder bezüglich der Hautfarbe.
Eine gesellschaftliche Hierarchie gibt es nur in Bezug auf die Berufsgruppen:
Zur Oberschicht gehören Beamte, Pensions- und Ladenbesitzer, Großgrundbesitzer
und höhere Angestellte. Daneben arbeiten viele Kleinbauern und Fischer - von denen die meisten kein eigenes Land bzw. kein eigenes Boot besitzen - für die Grund- oder Bootsbesitzer und erhalten dafür einen kleinen Teil der Ernte. Im Dienstleistungsbereich finden Lohnarbeiter
Beschäftigung.
Auf jeder der Kapverdischen Inseln hat sich ein eigener Kulturkreis mit verschiedenen Festen, Musik, Tänzen, usw. herausgebildet. Auch fühlen
sich Kapverdeaner ihrer Heimatinsel meist sehr verbunden.
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Kultur/Musik/Literatur
Kultur
Auf den Inseln gibt es weder die europäische noch die afrikanische
Kultur in Reinform. Ziel der portugiesischen Kolonialherren war die
Assimilation. So wurden beispielsweise afrikanische Sprachen unterbunden.
Der 500-jährige Einfluss der Kolonialherren zeigt sich heute vor
allem im Baustil, Lebensstil, Umgangsformen und Bekleidung. Die afrikanische
Identität blieb jedoch teilweise in der Musik, Literatur und Kunst
erhalten und auch heute noch finden sich afrikanische Kulturelemente
im Alltag der Inseln, z.B. das Tragen der Kinder auf dem Rücken
und das Tragen der Last auf dem Kopf.
Musik
Traditionelle Musik ist sehr populär und ein fester Bestandteil des Alltags der Kapverdianer. Ihre Ursprünge stammen aus Portugal,
aber auch aus Brasilien und Afrika. Es gibt drei Hauptrichtungen (Funana, Morna, Coladeira), die sich sowohl durch die Thematik der Texte als auch durch Rhythmus und Melodien unterscheiden. Musiker verdienen meist
nicht genug Geld, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, also müssen
sie zusätzlich einer anderen Arbeit nachgehen.
Während Mindelo das Zentrum der traditionellen Musik ist, ist
es Praia für die moderne. Dort wird auf zahlreichen Bühnen
original kapverdische Popmusik gespielt.
Literatur
Auffallend ist eine gewisse Kritiklosigkeit in der Literatur: ältere
Gedichte haben oft wenig mit der Realität zu tun und berichten
nicht über Hungersnöte und andere Probleme. Der Grund hierfür
liegt in der Identifizierung mit den Kolonialherren, die durch die
Rassenvermischung zunächst begünstigt wurde.
Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts übten Autoren offene Kritik
am sozialen System und forderten die Unabhängigkeit. Zeitweise
wurden Schriften vom Kolonialregime zensiert, woraufhin viele Autoren
sich eher mystischen Themen zuwandten, z.B. malten sie sich die Vergangenheit
der Inseln vor ihrer Besiedlung aus.
Mit Beginn der Demokratie 1991 gab es eine Belebung der Medienlandschaft.
Jedoch steht der Förderung einer nationalen Literatur finanzielle
Knappheit sowie die geografische Disparität der neun Inseln und
die uneinheitlichen Sprachen auf den verschiedenen Inseln im Wege.
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Reiseliteratur
Rolf Osang:
Kapverdische Inseln, DuMont Reisetaschenbuch,
6. aktualisierte Aufl. 2005, ISBN 3-7701-5968-3, 240 S,
Regina
Fuchs,
Lucete
Fortes,
Pitt
Reitmaier:
Cabo Verde - Kapverdische Inseln, Reise Know-How Verlag,
2004, ISBN 3-8317-1209-3, 496 S., ca. 150 Fotos, 12 Stadtpläne,
7 Farbkarten,
Christina
Gottschall,
Sabine
Heilig:
Kapverdische Inseln, Unterwegs Verlag,
2003, ISBN 3-86112-096-8, 256 S,
H. Hermann
Schleich,
Karin
Schleich:
Cabo Verde. Naturreiseführer, Verlag Stephanie Naglschmid Stuttgart,
2. Aufl. 1998, ISBN 3-89594-992-2, 200 S.,
Lucete
Fortes,
Pitt
Reitmaier
(Hrsg.):
Wanderführer Santo Antão, Goldstadt Verlag,
2004, ISBN 3-89550-466-1, 224 Seiten, 169 Farbbilder, 39 Kartenausschnitte,
|
 |
 |
 |
 |
|
|
|