Santiago – die Afrikanischste

Willkommen auf der größten Insel der Kapverden! Mit seiner Hauptstadt Praia im Südosten war es Santiago, das die Geschichte des Archipels maßgeblich geprägt hat. Mittlerweile lebt mehr als die Hälfte der Kapverdianer auf dieser Insel. Mit einer Fläche von 990 km ist Santiago die größte und gleichzeitig produktivste Insel. Man findet feinsandige Strände genauso wie mächtige Gebirge und trockene Steppengebiete, aber auch fruchtbare Täler und Hochebenen. In einem Tal bei Assomada, im Inselinneren, kann man den ältesten und größten Baum der Kapverden bestaunen, einen Kapokbaum, ca. 500 Jahre alt und 40m hoch.

Die Insel Santiago ist eine der facettenreichsten Inseln überhaupt. Sie war lange Zeit ein florierendes Zentrum für den Sklavenhandel durch die Portugiesen, die seinerzeit ein Monopol auf den Sklavenhandel in Westafrika hatten. Schon vor über 500 Jahren besiedelten die Portugiesen den Archipel und begannen dabei mit Santiago. Die Sklaven wurden später weiter in die Neue Welt oder nach Brasilien verkauft. Die erste Siedlung auf den Kapverden, Cidade Velha, brachte dem Staat Portugal damals mehr Steuereinnahmen als Porto. Nur Lissabon brachte mehr Geld ins Saatssäckel.

Auch heute noch gilt die Insel als das afrikanischste Eiland des Archipels. Die Hauptstadt Praia bietet viele interessante Besichtigungsmöglichkeiten, wie z.B. das hiesige Grogue-Museum. Der „mercado“, die Markthalle, bietet das breiteste Angebot aller auf den Kapverdischen Inseln produzierten Dinge: fangfrischen Fisch, Gemüse und Obst lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Santiago bietet jedoch noch weitere interessante Attraktionen, wie z.B. die Festung „Real de São Filipe“, die im Jahr 1593 von den damals für 60 Jahre herrschenden Spaniern fertig gestellt wurde. Die Anlage sollte Angriffe von Piraten abwehren. Auch der englischen Korsar Francis Drake ging hier vor Anker. Er war mit 25 Schiffen unterwegs und fiel mit ca. 1000 Mann über die Stadt her. Überhaupt waren Angriffe von Piraten im 16. und 17. Jahrhundert an der Tagesordnung. Dies führte zu einem nachlassenden Interesse der Kolonialmacht.

Nachdem viele weiße Landbesitzer die Insel verlassen hatten, konnten die ersten Sklaven ins unzugängliche Hinterland fliehen und dort ein einfaches, freies Leben führen. Diese so genannten „Badius“ wurden zwar bei ihrer Ankunft getauft, praktizierten aber weiterhin alte afrikanische Traditionen und animistische Riten. Erst der portugiesische Diktator Salazar schickte in den 1940er Jahren wieder weiße Missionare auf die Kapverden, um eventuelle Unabhängigkeitsgedanken im Keim zu ersticken und die Badius im Sinne der katholischen Kirche zu bekehren.

Die Missionare bezeichneten die Badius kurzerhand als kommunistische Organisation und verboten ihre Versammlungen. Damit erreichten sie allerdings nur, dass sich die Nachkommen der verschleppten Sklaven noch mehr zurückzogen und eine stark ablehnende Haltung gegenüber jeglicher Autorität entwickelten. Die Gemeinschaft der „Rabelados“, frei übersetzt „Widersetzer“, war geboren.

Freiheit und Unabhängigkeit sind ihre oberste Maxime, die Rabelados ernähren sich selbst und verweigern sogar meist medizinische Versorgung. Allerdings öffnet sich die Gemeinschaft seit einigen Jahren langsam, da vor allem die jungen Menschen ein modernes Leben bevorzugen.

 

 

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